Rostrote Mauerbiene 2015: Ein kleines Résumé

Insektenhotel Nisthilfe Insektennisthilfe zerlegbar Nutbrettchen

Dieser Nutbrettchentyp (Bezugsquelle) kam 2015 zum ersten Mal zum Einsatz. Hier  wird jedes Brettchen mit einer Fräsung von einem normalen, ungefrästen Brettchen abgedeckt. Der Nistgang ist daher nicht kreisrund, sondern halbkreisförmig. Die Besiedelung durch Mauerbienen liegt aber auch hier bei 100 %.

 

Bei der Reinigung nach der Saison muss daher - im Gegensatz zum anderen Typ - pro Etage jeweils nur EIN Fräsbrettchen aufwändig gesäubert werden. Beim Zerlegen der Nisthilfe werden die einzelnen Brutzellen nicht zerrissen, sondern bleiben weit gehend unversehrt. Vor allem für die fotografische Dokumentation ist das natürlich ein Riesenvorteil. Wird ein Gang dagegen von zwei Fräsungen gebildet hängen Trennwände und Kokons zum Teil auch an der Unterseite des oberen Brettchens, ein heilloses Durcheinander.

Besiedelung in Abhängigkeit vom Lichteinfall

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Die vom Licht abgewandte Nisthilfenseite wurde sechsmal so schnellt besiedelt wie die dem Licht zugewandte!

Die eizelnen Brettchen lassen sich gegeneinander verdrehen. Dadurch wurden drei unterschiedlich stark beschattete Flächen geschaffen. Entgegen aller Erwartung besiedelt die Rostrote Mauerbiene die vom Licht abgewandten Niströhren zuerst. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse findet ihr hier

Dem Licht zugewandte Ebenen

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Fazit:

Diese Seite wurde im Schnitt erst dann besiedelt, wenn Halbschatten und Schatten keine freien Nistgänge mehr aufwiesen. Auffällig sind die großen Freiräume. Teilweise wurde nur der Verschlußdeckel gebaut, ohne daß sich dahinter auch nur eine einzige Brutzelle befand. Nach dem Motto: "Kann man ja keinem Menschen zumuten hier zu nisten, ich mach den Laden vorbeugend mal dicht!" :-) Was zunächst wie Pollen aussieht sind die typischen spaghettiförmigen Kotschnüre der parasitischen Taufliege Cacoxenus indagator die bei hoher Dichte zu feinem Staub zerbröseln. Der Befall mit Cacoxenus ist auf diesen Ebenen mit Abstand am höchsten. Stellenweise sieht man die Fliegenmaden von Cacoxenus. Das Sonnensymbol markiert die Einfallsrichtung des Lichtes.

 

Gesamtergebnis:

168 Brutzellen

39 Kokons (= 23%)

129 mit Cacoxenus indagator befallene Brutzellen (= 77%)

90° vom Licht abgewandte Ebenen

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Fazit:

Hier nimmt die Anzahl der Brutzellen deutlich zu. Der freie Gang in der Mitte wurde durch den Spanngurt verdeckt und konnte daher nicht besiedelt werden.

Gesamtergebnis (hier sind es nur 3 Ebenen, nicht vier wie vorhin!):

190 Brutzellen

83 Kokons (=44%)

107 von Cacoxenus indagator befallene Brutzellen (= 56%)

180° vom Licht abgewandte Ebenen

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Fazit:

Noch einmal erhöht sich die Zahl der angelegten Brutzellen deutlich. Der Nesteingang liegt im Bild jeweils oben. Hier sieht man sehr schön, wie die erste Brutzelle generell nicht verproviantiert wird. Diese Leerzelle bezeichnet man als Atrium. Möglicherweise dient sie dem Schutz vor Parasiten. Meisen können mit ihrem kurzen Schnabel nur in die vorderste  Brutzelle eindringen, im Falle der Mauerbienen zerstören sie dabei keine Brut.


Gesamtergebnis:

268 Brutzellen

128 Kokons (= 48%)

140 von Cacoxenus indagator befallene Brutzellen (= 52%)

Gesamt-Statistik aller Ebenen

626 Brutzellen

250 Kokons (= 40%)

376 von Cacoxenus indagator befallene Brutzellen (= 60%)

Milben

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An den roten Punkten sammeln sich größer Mengen der blaßgelben Milben

Wie nicht anders zu erwarten gibt sich - leider - auch die Milbe

Chaetodactylus osmiae die Ehre. Interessanterweise befinden sich die Milben fast ausschließlich in den Brutzellen die von Cacoxenus indagator befallen wurden. Die Brutzellen mit Kokons der Rostroten Mauerbiene sind nahezu milbenfrei. Vielleicht brauchen die Fliegenlarven länger zur Entwicklung als die Mauerbienenlarven und die Milben haben daher länger Gelegenheit sich vom Pollen zu ernähren, bis er irgendwann komplett aufgezehrt ist. Nachdem die Mauerbiene beim Schlüpfen durch alle vor ihr liegenden Brutzellen krabbeln muß, wird sie zwangsläufig von Milben befallen.

Ausblick für die nächste Saison

Normalerweise habe ich diese Art der Nisthilfe am Ende der Saison gesäubert, Parasiten entfernt  und die Kokons isoliert. Diesmal möchte ich anders vorgehen. In der Literatur findet man immer wieder die Angabe, Mauerbienen würden die alten Brutzellen kaum säubern und bereits besiedelte Gänge nur ungern annehmen. Das ließe sich jetzt im nächsten Jahr durch den Vergleich mit den Fotos konkret überprüfen. Mögliche Fragestellungen wären unter anderem:

  • Wir gründlich werden die Brutgänge gereinigt?
  • Wird der "Müll" einfach nach hinten geschoben, wie in einigen Quellen angegeben?
  • Werden die jetzt noch freien Brutröhren bevorzugt besiedelt?
  • Wie hoch ist der Prozentsatz an schlüpfenden Mauerbienen?
  • Haben Mauerbienen, die sich durch viele, randvoll mit Cacoxenus-Kot angefüllte Brutzellen buddeln müssen, eine Chance beim Schlüpfen?
  • Wie sieht die Besiedelung mit Milben und Cacoxenus im nächsten Jahr aus?


Es wird wieder einmal spannend! :-)


Zahllose weitere Fotos findet ihr auf meinen Pinterest-Pinwänden!

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Eine sechsseitige Fotodokumentation protokolliert den Bau einer pfiffigen Insektennisthilfe aus alten Eichenbalken.

Alle wesentlichen Informationen zu einem bestimmten Insektennisthilfen-Typ sind jeweils in einem eigenen Kapitel zusammengefasst und mit zahlreichen Fotos illustriert.

Doppelseiten mit Fotos illustrieren jeweils bestimmte Teilaspekte des Lebens an einer Nisthilfe.

 

 

 

Eine sechsseitige Fotodokumentation protokolliert den Bau einer pfiffigen Insektennisthilfe aus alten Eichenbalken.

Die typischen Baufehler der InsektenNICHTNisthilfen aus Baumarkt und Gartencenter werden ausführlich besprochen.


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Kommentare: 5
  • #1

    Johanna (Freitag, 04 März 2016 07:18)

    Das ist ein superinteressanter Artikel, danke dafür!
    Da werde ich meinen Bienenstein doch glatt vom Licht abgewandt aufhängen :-)
    Beste Grüße und schön so weitermachen!

  • #2

    Andreas (Mittwoch, 16 März 2016 23:21)

    Das sind wirklich sehr aufschlussreiche Einblicke!
    Interessantes Experiment und sehr fundiert ausgewertet.
    Danke dafür.
    Ich bin gespannt auf weitere Ergebnisse!

  • #3

    Robert Engl (Donnerstag, 17 März 2016 01:43)

    Sehr geehrter Herr David,

    Mit Begeisterung habe ich mich durch ihre Seiten gelesen. Ich habe im letzten Jahr die selben Nistbretter verwendet wie sie, da meine alte Niststation aus Bambusröhrchen in die Jahre gekommen ist.

    Ich musste leider feststellen, dass bei meinen insgesamt 6 Niststationen 3 stark mit Milben befallen waren. Obwohl ich die Nistbretter fest gepresst hatte befürchte ich, dass sich die Milben trotzdem durch winzige Spalten über mehrere Brutzellen hinweg ausgebreitet haben.

    Ich habe viele verschiedene Nistmöglichkeiten ausprobiert und daher im letzten Jahr zusammen mit einer Keramikfirma ein neues Doppelröhrchen entwickelt.

    Es ist sehr stabil, kann leicht gestapelt werden und gleich wie Holz Feuchtigkeit aufnehmen und speichern. Die Kokons sind darin optimal gegen Einflüsse von außen geschützt und gefüllte Röhrchen können auch leicht in der Niststation gegen leere getauscht werden.

    Der größte Vorteil ist aber, dass dieses Röhrchen leicht gereinigt und im Backrohr wieder von Milben befreit werden können. Ich bin heuer mit einer Probeproduktion von 300 Stück in den Frühling gestartet und hoffe jetzt, dass meine Mauerbienen genau so begeistert davon sind wie ich.

    Vielleicht möchten sie sich ja auch ein Bild davon machen - für Ideen und Kritikpunkte bin ich jederzeit offen, da mir in Tirol ein wenig der Austausch mit anderen Wildbienenfreunden fehlt.

    Liebe Grüße aus Tirol

    Robert

  • #4

    Werner (Sonntag, 29 Mai 2016 16:27)

    Hallo Herr Engel,

    Falls sich diese Keramikröhrchen in einem preislich einigermaßen vernünftigem Rahmen bewegen, würde mich dieses System durchaus interessieren. :-) Erfahrungsgemäß wird gebrannter Ton verglichen mit Pflanzenhalmen und Bohrungen im Hartholz eher etwas zögerlich besiedelt, wobei es auf lange Sicht durchaus funktioniert. Ich hatte dieses Jahr in der Nutbrettchen-Nisthilfe auch ein Totalausfall durch Milben, kennen dieses Problem als recht gut.

    Herzliche Grüße

    Werner

  • #5

    Chris (Dienstag, 07 März 2017 21:46)

    Hallo Werner,
    Mich würden hier deine Antworten zu den Fragen interessieren!
    Grüße Chris