Ansprüche der Wildbienen an ihren Lebensraum

Pollen und Nektar im Überfluß. Eine Gewöhnliche Löcherbiene im Paradies.
Pollen und Nektar im Überfluß. Eine Gewöhnliche Löcherbiene im Paradies.
Naturgarten Trockenmauer Natternkopf Echium vulgare Färberkamille Anthemis tinctoria wildlife garden dry wall viper's bugloss dyer's chamomile
Trockenmauern sind reich strukturierte, artenreiche Lebensräume. Hier mit Natternkopf und Färberkamille
Naturgarten Wildstauden wildlife garden Pollen Nektar nectar
Auf derart üppig blühenden Flächen finden Insekten ein üppiges Pollen- und Nektarangebot

Löcherbiene Nestverschluss Nestverschluß Harz insect nesting aid insect hotel  wildbee  resin hole-dwelling bee
Nestverschlüsse der Löcherbiene aus Harz mit eingelagerten Fremdkörpern, unter anderem ein winziges Schneckenhaus (gelber Pfeil)

Solitäre Wildbienen benötigen ein reiches Angebot an Blütenpflanzen zur Versorgung ihrer Brutzellen mit Pollen und Nektar sowie Kleinstrukturen, die als Nistplatz für die jeweilige Art geeignet sind. Hier unterscheiden sich die Bedürfnisse sehr stark. In Deutschland, Liechtenstein, Österreich und der Schweiz sind 745 Wildbienenarten bekannt, die wie folgt nisten:

 

- 50 % im Erdboden

- 3 % nagen ihre Gänge in Holz oder markhaltigen Pflanzenstengeln selbst

- 19 % nutzen bestehende Hohlräume

- 7 % bauen freistehende Nester

- 25 % sind Kuckucksbienen die ihre Eier in die Brutzellen anderer Wildbienenarten schmuggeln.

 

Manche Arten sind zusätzlich auf spezielle Baumaterialien angewiesen. Die Wollbiene benötigt für die Anlage ihrer Brutzellen Pflanzenhaare, die sie vom Ziest, Strohblumen und anderen Arten ab­schabt. Die Gewöhnliche Löcherbiene baut Zellzwischenwände und Verschlussdeckel aus Harz. Die Mohn-Mauerbiene kleidet ihre Brutzellen ausschließlich mit den Blütenblättern des Klatschmohn aus.

 

Naturerlebnisraum Naturgarten Schulgelände Königskerze Verbascum  school campus wildlifegarden  mullein
Ein in einen Naturerlebnisraum umgestaltetes Schulgelände mit prächtigen Königskerzen
Naturgarten Öffentliches Grün Verkehrsinsel Wildstauden traffic island central island wildlife garden
Auch öffentliche Flächen wie Verkehrsinseln lassen sich problemlos mit einheimischen Wildpflanzen ökologisch aufrüsten.

Sammelflugdistanz

Auch Spielplätze lassen sich durchaus naturnah gestalten
Auch Spielplätze lassen sich durchaus naturnah gestalten

Falls alle erforderlichen Komponenten nicht auf engstem Raum vorhanden sind, muss die Wildbiene zwischen Nistplatz und den Nahrungspflanzen hin und her pendeln. Das kostet Zeit, Energie und Ner­ven. Mit zunehmender Flugdistanz verschlechtert sich der Fortpflanzungserfolg der einzelnen Arten drastisch.


In verschiedenen Studien wurden bei solitären Wildbienen maximale Flugdistanzen von 150 m bis 2225 m nachgewiesen. Dabei wurden zum einen Markierungs-und Wiedereinfang-Experimente ver­wendet, zum anderen wurden die benötigten Nahrungspflanzen in Töpfen angeboten und schritt­weise immer weiter vom Nistplatz entfernt.

 

Größere Wildbienen-Arten legen in der Regel weitere Strecken zurück. Die maximale Flug­strecke wird aber jeweils nur von einem kleinen Teil einer Wildbienen-Population zurückgelegt, die meisten werfen schon deutlich früher das Handtuch. Es gibt also jeweils viele Kurz­streckenflieger,  aber nur wenige Langstrecken­flieger. Bei einem Großteil der untersuchten Arten dürfte die maximale Sammelflugdistanz zwischen 300 und 1500 m liegen.

 

Negative Auswirkungen einer zunehmenden Flugstrecke

Taufliege Cacoxenus indagator
Die Taufliege Cacoxenus indagator, ein häufiger Futterparasit bei Mauerbienen

Fliegen ist die energieaufwändigste Form der Fortbewegung, die Zunahme der Sammelflug­dauer beschleunigt daher den Alterungsprozess durch ganz banalen „Materialverschleiß“. Der Unterschied zwischen einer frisch geschlüpften Wildbiene und einem „abgeflogenen“ Exemplar nach vier Wochen ist fast schon erschreckend.

 

Mit zunehmender Flugdistanz steigt der Zeit­aufwand für die Versorgung einer einzelnen Brutzelle deutlich und die Zahl der maximal an­gelegten Brutzellen sinkt. Da die offenen Brut­zellen längere Zeit „unbewacht“ bleiben, steigt zwangsläufig auch der Befall mit Parasiten, die diese günstige Gelegenheit nutzen.

 

Um den energetischen Mehraufwand zu kom­pensieren, wird teilweise weniger Pollen in jede einzelne Brutzelle eingelagert, das kann sich negativ auf die Überlebensrate der über­winternden Larven auswirken. Die Bedeutung der Flugdistanz zeigt sich auch in  Käfig­versuchen mit der Luzerne-Blattschneiderbiene (Megachile rotundata),  bei den sich die Nah­rungsquellen unmittelbar neben dem Nistplatz befanden. Unter diesen optimalen Bedingungen wurden zwei- bis dreimal so viele Brutzellen an­gelegt als durchschnittlich im Freiland.

 

Bei manchen untersuchten Wildbienenarten sank die Anzahl der angelegten Brutzellen bei einer Zunahme der maximalen Flugdistanz um 150 m bereits auf 75 %. Bedingt durch die stär­kere Parasitierung betrug der Anteil überleben­der Nachkommen teilweise nur noch 30 %.

 

Fazit

Schulen und Kindergärten böten ein hohes ökologisches Potential, das es zu nutzen gilt
Schulen und Kindergärten böten ein hohes ökologisches Potential, das es zu nutzen gilt

Der Abstand zwischen Nistplatz und Nahrungs­pflanzen sollte im Idealfall nicht größer als 200-300 m sein. Bei der Auswahl der Pflanzen in ei­nem Naturgarten sollte der Schwerpunkt auf den Bedürfnissen der Pollenspezialisten liegen, die zum Teil zwingend auf eine einzige Gattung angewiesen sind. Pollengeneralisten wie die Mauerbienen profitieren sowieso von nahezu jedem Blütenangebot.


Nisthilfen ohne ein entsprechendes Nahrungs­angebot im näheren Umfeld haben nur be­grenzten Nutzen. Auch auf die Bedürfnisse der im Erdboden nistenden Wildbienenarten sollte eingegangen werden, zumindest die relativ an­spruchslosen Gruppen lassen sich auch im Gar­ten ansiedeln. Durch das Angebot vielfältiger Kleinstrukturen und ein kontinuierliches Ange­bot der wichtigsten einheimischen Pollen und Nektarspender schaffen wir die beste Voraus­setzung für Wildbienen in unseren Naturgärten.

 


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Das Wellnesspaket für solitäre Wildbienen
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Quelle:

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  • Broschiert: 162 Seiten
  • Autoren: Antonia Zurbuchen, Andreas Müller
  • Titel: Wildbienenschutz - von der Wissenschaft zur Praxis
  • Verlag: Haupt; Auflage: 1., Auflage (23. Mai 2012)
  • ISBN-10: 3258077223
  • Preis: 34.90 Euro

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Kommentare: 1
  • #1

    RAVE Marie-Claire (Sonntag, 30 April 2017 21:44)

    Bonjour,
    Une traduction de votre site est-elle envisageable ?
    Merci pour votre réponse.
    Amicalement