Orrido di Botri – die größte Kalksteinfelsschlucht in der Toskana

Orrido di Botri - Kalksteinfelsschlucht in der Toskana
Orrido di Botri - Kalksteinfelsschlucht in der Toskana

„Orrido di Botri“ ist eines von 131 Naturreservaten in Italien und wird vom Staatlichen Forstamt verwaltet. Diese vom Rio Pelagro im Verlauf von Jahrtausenden in den Kalkstein gegrabene tiefste Schlucht der Toskana liegt in der Gemeinde Bagni di Lucca in der Provinz Lucca. Seit 1971 ist diese Region ein geschütztes Naturreservat und kann in den Sommermonaten von Juni bis September begangen werden.

 

Verhätschelte Weichei-Touristen haben schlechte Karten. Der „Weg“ führt ausschließlich durch das Bachbett, teilweise über Kies und Geröll, teilweise über gewaltige Felsblöcke, häufig auch mitten durch das eiskalte Wasser. Das letzte Stück ist den Freaks mit Neoprenanzügen und Kletterausrüstung vorbehalten und darf nur mit spezieller Erlaubnis begangen werden.

 

Nach dem Entrichten einer fürstlichen Summe von zwei Euro erhält der Besucher einen Helm und seine Eintrittskarte. Außerdem muss man seinen Personalausweis hinterlegen und wird in einer Liste eingetragen. Bis um 18:00 Uhr muss sich jeder Besucher zurückgemeldet haben, anderenfalls rückt die Kavallerie mit vollem Gerät aus und macht sich auf die Suche nach dem Unglücksraben. Meinen Helm nahm ich mit einem etwas amüsierten Lächeln entgegen. Natürlich steigert es die Attraktivität einer Wanderung, wenn sich der Tourist in echter Gefahr wähnt. Ein völlig unnötiger, aber durchaus netter PR-Gag! 1 Stunde später krachten 20 Meter vor mir aus heiterem Himmel einige faustgroße Felsen in das Bachbett und zerspellten dort mit beeindruckendem Getöse. Schluck! Es ist wirklich bedauerlich, dass manche Touristen die Helmpflicht so wenig ernst nehmen! Vermutlich sind sie der Ansicht, hier würde sich nur um einen albernen PR-Gag handeln. Typisch Touris!

 

Das landschaftliche Szenario ist fantastisch, Natur in ihrer urigsten Form. Die senkrecht aufragenden Schluchtwände sind mit Moosen und Farnen bewachsen. Auf Schritt und Tritt stößt man auf tief ausgehöhlte, bläuliche schimmernde Gumpen (Kolke) und malerische kleine Wasserfälle. Jeder Fotograf der sich hier von Motiv zu Motiv hangelt, wird permanent von Weinbergschnecken überholt, die angesichts seiner durchschnittlichen Fortbewegungsgeschwindigkeit verwundert mit den Fühlern wackeln. Ein Großteil der Schlucht liegt im tiefen Schatten, ohne Stativ läuft hier also gar nichts. Zum Ausgleich entfällt der Ärger mit den knüppelharten Gegenlichtkontrasten. Alternativ kann man natürlich die ISO-Werte in die Stratosphäre beamen, wird aber dann mit einem idyllischen Rauschen wie bei den Niagarafällen belohnt. Sobald Sonnenlicht in den Canyon fiel, war den Kontrasten nur noch mit der HDR-Technik beizukommen. Bei ISO 100 und Blende 16 ist der mystische Sansoschäfchen-Effekt des bewegten Wassers gleich im Preis mit einbegriffen, die Belichtungszeiten lagen zwischen 10 und 30 Sekunden. Mein sündteurer, extra für diesen Zweck erworbener Graufilter blieb daher zutiefst beleidigt in meinem Fotorucksack.

 

Bei der Wahl des optimalen Kamerastandpunktes bin ich überraschenderweise auf eine recht simple Gesetzmäßigkeit gestoßen. Sobald ich bis zur Mitte meiner Oberschenkel im eiskalten Wasser stand, war die Stativposition optimal. Normalerweise betrachte ich ja den Kontakt mit jedem Gewässer unter Körpertemperatur als einen Akt präsuizidalen Wahnsinns. Dummerweise war die Verlängerungsschnur für meinen Tauchsieder nicht lang genug, da musste ich also durch. Die masochistische Aktion hatte sogar einen unerwarteten, positiven Nebeneffekt. Meine Mückenstiche waren so völlig geschockt, dass sie tatsächlich aufhörten zu jucken. Es gibt also durchaus viele „stichhaltige“ Gründe für die Naturfotografie :-) 

Orrido di Botri - Kalksteinfelsschlucht in der Toskana
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Alle Bilder zum Vergrößern bitte anklicken
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Kommentare: 3
  • #1

    Sigrid David (Samstag, 10 August 2013 18:35)

    Wunderschön! Da will ich auch hin, so bald wie möglich. Spätestens nächsten Sommer ....

  • #2

    ghislana.poppelbaum@gmail.com (Dienstag, 13 August 2013 18:16)

    Wie beeindruckend schön und wild..., deine fantastischen Bilder lassen einen ganz nah dran. Lieben Gruß Ghislana

  • #3

    entfaltungspotentiale (Donnerstag, 29 August 2013 14:53)

    Vielen Dank lieber Werner, dass ich durch deine Bilder an deiner Reise teilnehmen durfte, es war ein wundervolles Erlebnis.....

    Helmut