Tür zu!

Die letzten zwei Wochen haben sich durch nass-kalte, blogfeindliche Trostlosigkeit ausgezeichnet. Alle Wildbienen sitzen klamm in ihren Niströhren und weigern sich ganz entschieden, auch nur einen Fühler ins Freie zu stecken. Am liebsten würde ich es ja genauso machen. Um nicht ganz der Depression anheim zu fallen habe ich wenigstens einige Fotos aufgearbeitet.

Ein Weibchen der Rostroten Mauerbiene (Osmia bicornis) verschließt ihre Brutröhre mit einem Lehmdeckel
Ein Weibchen der Rostroten Mauerbiene (Osmia bicornis) verschließt ihre Brutröhre mit einem Lehmdeckel

Der Bau einer Brutzelle

Die Gehörnte Mauerbiene (Osmia bicornis) bevorzugt zur Anlage ihrer Brutzellen Gänge mit einem Durchmesser von 6-7 mm, ist allerdings in dieser Hinsicht relativ flexibel und besiedelt  so ziemlich jeden Hohlraum den sie in die Finger bekommt. Das können Wasserschläuche, Türschlösser, Bohrungen von Ikearegalen oder auch mal eine Blockflöte sein. Auch im Bezug auf ihre Pollenquellen ist diese Art extrem flexibel und sammelt bei 15 verschiendenen Pflanzenfamilen, dadurch kommt es so gut wie nie zu Pollen-Versorgungsengpässen.

 

Die Anlage einer Brutzelle beginnt immer mit dem Bau einer sichelförmigen "Türschwelle" aus Lehm, die die Tiefe der Brutzelle definiert. Die in ihrer Lebensweise sehr ähnliche Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) zeigt dieses Verhalten nicht. Danach trägt das Wildbienenweibchen Nektar und Pollen ein. Das Weibchen kriecht zunächst vorwärts in die Brutröhre und würgt den Nektar aus. Anschließend steht sie vor einem großen Problem. Der in der Bauchbürste transportierte Pollen läßt sich aufgrund der Lage der Haare nur nach hinten abstreifen. Wenn die Biene dann im Anschluß rückwärts aus der Röhre kriecht, würde sie den ganzen Pollen wieder verteilen und das wäre alles andere als effektiv. Die Biene kriecht daher zunächst rückwärts aus der Röhre, dreht sich um und fädelt rückwärts wieder ein. Am Ende der Brutröhre angelangt, kann sie jetzt problemlos den Pollen auf den bereits gesammelten Vorrat abstreifen.

 

Sobald der Vorrat für die Entwicklung einer Bienenlarve ausreicht legt die Wildbiene ein Ei ab, das schräg in dem Pollen-Nektarkuchen steckt. Bei der Rostroten Mauerbiene (Osmia bicornis) ist das Ei immer mit etwas Pollen bestäubt, bei der Gehörnten Mauerbiene (Osmia cornuta) dagegen nicht. Danach ergänzt sie die anfangs gebaute "Türschwelle" zu einer geschlossenen Trennwand von 1-3 mm Dicke. Auf diese Weise werden bis zu 20 Brutzellen hintereinander bestückt. Die letzte Brutzelle bleibt in der Regel leer - vermutlich ein Schutz vor Parasiten - den Abschluß nach Außen bildet ein dicker Lehmdeckel (bis zu 12 mm) durch den sich die aus dem Kokon geschlüpften Mauerbienen im nächsten Frühjahr durchbeißen müssen. Da in den vordersten Brutzellen ausschließlich Männchen sitzen, gebührt diese ehrenvolle aber recht staubige Angelegenheit ihnen.

Im Vordergrund die beim Bau der Brutzelle der Rostroten Mauerbiene als erstes angelegte "Türschwelle". Im Hintergrund ist der Pollen-Nektar-Kuchen zu erkennen.
Im Vordergrund die beim Bau der Brutzelle der Rostroten Mauerbiene als erstes angelegte "Türschwelle". Im Hintergrund ist der Pollen-Nektar-Kuchen zu erkennen.
Das mit Pollen bepuderte Ei der Rostroten Mauerbiene steckt mitten im Pollenkuchen
Das mit Pollen bepuderte Ei der Rostroten Mauerbiene steckt mitten im Pollenkuchen
Die Rostrote Mauerbiene beginnt die Brutzelle mit einer Trennwand aus Lehm zu verschließen
Die Rostrote Mauerbiene beginnt die Brutzelle mit einer Trennwand aus Lehm zu verschließen
Die Trennwand nähert sich der Vollendung
Die Trennwand nähert sich der Vollendung

Als Abschluß nach Außen baut die Rostrote Mauerbiene einen bis zu 15 mm dicken Verschlußdeckel aus Lehm
Als Abschluß nach Außen baut die Rostrote Mauerbiene einen bis zu 15 mm dicken Verschlußdeckel aus Lehm

Wie lassen sich Rostrote und Gehörnte Mauerbiene anhand ihrer Nestverschlüsse unterscheiden?

Ich muß den Mauerbienen auf meinem Balkon wirklich herrausragende didaktisch-pädagogische Fähigkeiten attestieren. Anschaulicher als in diesem unmittelbaren Vergleich hätte man die Unterschiedlichkeit der Nestverschlüsse nicht demonstrieren können. Die Rostrote Mauerbiene (Osmia bicornis) mit der grünen Markierung verschwendet auf Ästhetik und Feng Shui-Harmonie des Nistverschlusses keinen Gedanken. Hau drauf den Baatz und gut is! Die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) mit der gelben Markierung kann bei solch dilletantischem Pfusch nur mit den Fühlern schlackern. Wenn ihre Jungen im nächsten Frühjahr schlüpfen, dann aber bitte aus einem maßgeschneidertern Designerverschluß.

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