Angebohrte Baumscheiben

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Geschliffene Hartholzklötze mit Bohrungen quer zur Holzfaser sind fast unbegrenzt haltbar und werden zu 100% besiedelt.
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Stammscheiben mit Bohrungen im Hirnholz sind weitgehend ungeeignet für Insektennisthilfen

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Ursprüngliches Nisthabitat

Von Käferfraßgängen förmlich zersiebtes Totholz. Auffällig sind die großen Löcher (gelbe Markierungen), wie sie beispielsweise von Bockkäfern verursacht werden
Von Käferfraßgängen förmlich zersiebtes Totholz. Auffällig sind die großen Löcher (gelbe Markierungen), wie sie beispielsweise von Bockkäfern verursacht werden

Der Lebensraum Totholz zeichnet sich durch eine enorme Artenvielfalt aus, die vor allem von den Käfer dominiert wird (allein in Mitteleuropa sind 1.400 Käferarten in ihrer Lebensweise eng an Totholz gebunden). Für solitäre Wildbienen und Wespen sind vor allem die Arten interessant, deren Larven Gänge in das Totholz nagen, wie z.B. die Bockkäfer. Die nach dem Schlüpfen der Käfer verlassenen Fraßgänge stellen einen sehr begehrten Nistraum dar.

 

Durch ein völlig verzerrtes, von unsinnigem Ordnungsdenken geprägtem Naturverständnis, ist Totholz in unseren sterilen "Holzäckern" leider Mangelware geworden. Bohrungen in Hartholz, die letztendlich die ursprünglich besiedelten Käferfraßgänge simulieren sollen, werden deshalb von Wildbienen und Wespen als eine willkommene Alternative besiedelt.

Probleme mit Hirnholz

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Gesprungene, stark von Rissen durchzogene Stammscheibe. Keine einzige der Bohrungen wurde besiedelt

Generell sind Nisthilfen um so erfolgreicher, je mehr sie ihren natürlichen Vorbildern gleichen. Käferfraßgänge münden immeraußen am Baumstamm, sie verlaufen also mehr oder weniger im rechten Winkel zu den Holzfasern. Das "Hirnholz", also die Oberfläche, die bei einer geschnittenen Baumscheibe sichtbar ist, und in die gebohrt wird, liegt dagegen in der Natur niemals frei, es sei denn der Baum wird durch einen Sturm abgebrochen.

 

  • Rißbildung: Bei schneller Trocknung (eine schonende Trocknung kann je nach Durchmesser und Stärke bis zu zwei Jahre dauern!) kommt es zu starken Spannungen, die zu einer ausgeprägten Rißbildung führen. Bei Holzklötzen und Balken mit Bohrungen im Längsholz tritt sie dagegen fast gar nicht auf. Generell gilt: Je dicker desto Riss, gerade die malerischen, riesigen Scheiben sind am stärksten betroffen!
  • Wasserleitung: Die angeschnittenen Fasern und Wasserleitungselemente des Holzes nehmen bei feuchter Witterung Luftfeuchtigkeit auf (Wassertransport war ja schließlich ihre ursprüngliche Funktion), quellen dadurch und verstärken den Prozeß.
  • Unsaubere Bohrungen: Bohrungen im Längsholz sind in der Regel sauberer als im Hirnholz, Bohrlöcher mit querstehenden Fasern werden fast nicht besiedelt.

 

 

Gefahr der Parasitierung

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Ungeachtet der riesigen Fläche die die Stammscheiben einnehmen, ist nur ein sehr geringer Anteil besiedelt, der über die Jahre dann auch noch weiter abnimmt

Die in den Bohrungen angelegten Brutzellen der Wildbienen bilden ein abgeschlossenes System, das zumindest bis zu einem gewissen Grad vor Parasiten und Parasitoiden geschützt ist. Risse durchbrechen diesen Schutzmechanismus. Sowohl Parasiten, als auch Feuchtigkeit und einer nachfolgenden Verpilzung sind nun Tür und Tor geöffnet. Diese Information ist unbewußt im Erbgut der Wildbiene verankert, aus diesem Grund besiedelt sie Gänge mit Rissen nur in absoluten Ausnahmefällen.


Da die Rissbildung kontinuierlich fortschreitet, und sich die Bienenlarven fast ein volles Jahr in ihren Brutzellen befinden, können auch ursprünglich intakte Gänge nachträglich noch durch Risse zerstört und damit die Bienenbrut gefährdet werden.

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Ausnahmslos jede Bohrung ist hier von Rissen durchzogen. Besiedlungs"dichte": 0,0. 77 Löcher wurden völlig für die Katz gebohrt

Besiedlungsdichte

Insektennisthilfen neigen manchmal zum Gigantismus, alle Stammscheiben können zusammen eine beindruckende Gesamtfläche bilden. Dennoch ist und bleibt die Besiedlung meistens erschreckend gering, dieses System funktioniert letztendlich nur sehr eingeschränkt. Je nach Grad der Rißbildung und der Sauberkeit der Bohrung erfolgt zumindest eine Teilbesiedlung.

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Unsaubere Bohrungen im Hirnholz. Hier wendet sich jede Wildbiene mit Grausen
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Gebohrte Stammscheiben: Ungeachtet der riesigen Fläche der Baumscheiben tut sich hier fast nichts! Das große Dach sorgt zusätzlich noch für eine relative starke Beschattung.
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Gebohrte Stammscheiben: Trotz über 1000 Bohrungen ist auch hier ist der Besiedelungserfolg minimal
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Gebohrte Stammscheiben: Unsaubere Bohrungen, gesprungenes Holz. Da helfen auch auch der sinnlose Lochziegel. und die Halme ohne Bohrung nicht

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Gebohrte Stammscheiben: Auch hier erschreckend wenig Erfolg für viel Arbeit
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Gebohrte Stammscheiben: Einen derartige Besiedlungserfolg findet man nur extrem selten
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Gebohrte Stammscheiben: Relativ neue Anlage, Die Scheibe beginnt bereits zu reißen, die Dicke und damit die Gangtiefe ist sehr gering
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Gebohrte Stammscheiben: Rustikale Anlage, aber auch hier eine extrem geringe Besatzdichte

Fazit

Ungeachtet des immensen Arbeitsaufwandes und der Hingabe, die auf das Bohren in Stammscheiben verwendet wird, ist diese Variante nur sehr bedingt zum Einsatz in Insektennisthilfen geeignet und daher nicht zu empfehlen! Es geht deutlich einfacher und effektiver.


Bietet man günstige Bedingungen an, erfolgt die Besiedlung erstaunlich rasch. Die Nisthilfe rechts war schon nach zwei Jahren fast vollständig besetzt und das mitten in der Stadt auf meinem Balkon im ersten Stock.

Nisthilfe mit Naturstrohhalmen und Pappröhrchen
Nisthilfe mit Naturstrohhalmen und Pappröhrchen

Bauanleitung für Holzstämme

Besser als Stammscheiben sind gut abgelagerte Baumstämme, die senkrecht in besonnter Lage aufgestellt werden. Bei Holzarten mit dünner, glatter Borke, die saubere Bohrungen ermöglicht, kann die Borke am Holz bleiben. Dicke Stämme kann man mit der Ketten- oder Bandsäge halbieren, die ebene Seite läßt sich dann leicht an einer Wand befestigen. Die Gänge (Durchmesser 2-9 mm) müssen hinten geschlossen sein, also das Holz nicht ganz durchbohren und darauf achten, daß sich die Gänge auch nicht kreuzen. Bohrungen im Längsholz reißen auch bei engem Abstand der Bohrungen nicht und bleiben jahrelang einsatzfähig.

 

Material:

  • 1-2 Jahre alte, abgelagerte, trockene Baumstämme
  • Holzarten: Harthölzer wie Esche, Eiche, Ahorn, Buche, Obstbäume etc….
  • Länge: 30 -100 cm
  • Unterschiedliche Stammdurchmesser (ab 15 cm)
  • Ketten- oder Bandsäge
  • Bohrmaschine und extralange, gehärtete Bohrer (2-9 mm)
  • Schleifgerät oder Sandpapier
  • Material zum Befestigen/Aufhängen…..

Welche sinnvollen Alternativen gibt es?

Aufgerollte, in Stücke geschnittene Bastmatte (325 Halme)
Aufgerollte, in Stücke geschnittene Bastmatte (325 Halme)
Gut abgelagerter Hartholzklotz mit 280 Bohrungen
Gut abgelagerter Hartholzklotz mit 280 Bohrungen
Kaffeedose mit Naturstrohhalmen und Schilf (180 Niströhren)
Kaffeedose mit Naturstrohhalmen und Schilf (180 Niströhren)

Stammscheiben gaukeln zunächst eine sehr hohe Anzahl an Niströhren vor, durch die Rißbildung reduziert sich diese Zahl aber drastisch.

  • Gut abgelagerte Hartholzklötze reißen auch bei engem Abstand der Bohrungen nicht und bleiben jahrelang völlig unverändert. Meiner Erfahrung nach werden sie zu 100% besiedelt.
  • Das gleiche gilt für aufgerollte Bastmatten mit sauberen, glatten Schnittkanten. Auch hier wird auf engstem Raum extrem viel Wohnraum angeboten.
  • Die kleineren Arten wie die Löcherbienen besiedeln gerne Naturstrohhalme. Diese lassen sich bündeln und zusammen mit etwas dickeren Schilfhalmen in eine dünne Gipsschicht am Boden einer Blechdose drücken. Auch hier liegt die Besiedelungsrate bei 100%. (Die offenen, größeren Halme werden von Vertretern der Roten Mauerbiene (Osmia bicornis) besiedelt, die zum Zeitpunkt der Aufnahme gerade geschlüpft waren und nun begannen ihre Brutzellen anzulegen.)

 

Die Fläche einer Nisthilfe ist absolut irrelevant, entscheidend ist ausschließlich die Qualität des Angebotes!

Platz ist in der kleinsten Hütte

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Nisthilfen auf meinem Balkon. Erklärung siehe unten.
  • 5: Lehmige, feuchte Erde als Baumaterial für Mauerbienen
  • 6: Zerlegbare Nisthilfe wie sie bei Bestäubung von Obstbaumkulturen durch Mauerbienen verwendet wird (insgesamt 36 Niströhren).
  • 7. Dose mit Naturstrohhalmen und Schilfhalmen (insgesamt 180 Niströhren)
  • 8. Nisthilfe mit Naturstrohhalmen, imprägnierten Pappröhrchen, angebohrten Holzklötzchen und einem Beobachtungsnistkasteneinschub (insgesamt 624 Niströhren)

 

Summa summarum stehen auf meinem Naturgartenbalkon auf ca. einem halben Quadratmeter beachtliche 1261 Niströhren zur Verfügung. Nisthilfen müssen keineswegs mehrere Quadratmeter groß sein, um einen nützlichen Effekt zu erzielen. Für Arten die ihre Gänge in das Mark von Pflanzenstengeln nagen, sind noch 26 senkrecht befestigte Brombeer- und Beifußstengel im Angebot. Die Balkonkästen sind selbstverständlich nicht mit Geranien sondern mit beliebten, einheimischen Pollenspendern bepflanzt.

 

Wildbienenherz, was willst du mehr?

Zahllose weitere Fotos findet ihr auf meinen Pinterest-Pinwänden!

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Alle wesentlichen Informationen zu den unterschiedlichen Komponenten einer Insektennisthilfe sind jeweils in einem eigenen Kapitel zusammengefasst und mit zahlreichen Fotos illustriert.    

 

Doppelseiten mit Fotos illustrieren bestimmte Teilaspekte des Lebens an einer Nisthilfe, zum Beispiel: den Schlupf aus dem Kokon,  die Entwicklung der Larven,  Paarung,  das bizarre Schlafverhalten, typische Parasiten,  solitäre Wespen in markhaltigen Ste

Eine sechsseitige Fotodokumentation protokolliert den Bau einer pfiffigen Insektennisthilfe aus alten Eichenbalken.

Alle wesentlichen Informationen zu einem bestimmten Insektennisthilfen-Typ sind jeweils in einem eigenen Kapitel zusammengefasst und mit zahlreichen Fotos illustriert.

Doppelseiten mit Fotos illustrieren jeweils bestimmte Teilaspekte des Lebens an einer Nisthilfe.

 

 

 

Eine sechsseitige Fotodokumentation protokolliert den Bau einer pfiffigen Insektennisthilfe aus alten Eichenbalken.

Die typischen Baufehler der InsektenNICHTNisthilfen aus Baumarkt und Gartencenter werden ausführlich besprochen.


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Kommentare: 3
  • #1

    Gerhard Reichert (Freitag, 08 Mai 2015 22:21)

    Meiner Meinung nach sollten auch Informationen bezüglich Lochdurchmesser, jeweilige Lochtiefe, Lochabstand und Holzarten ( Obstholz , Eiche (?) Buche, Linde..... Ablagerung usw.) gemacht werden. Dass die Baumscheiben (Hirnholzbohrung) nicht ideal sind, wird zu intensiv ausgeführt. Man sollte hier mehr den Fokus auf "wie mach es richtig" legen. Das wäre sinnvoll !

  • #2

    Werner (Samstag, 09 Mai 2015 09:10)

    Diese Informationen finden sich ausführlich hier: http://www.naturgartenfreude.de/wildbienen/nisthilfen/bohrungen-im-hartholz/
    Ich habe aber nochmal einen Link eingebaut, danke für den Tipp!

    LG Werner

  • #3

    johann Mokosch (Montag, 05 Juni 2017 14:26)

    Ich fand ihre Informationen sehr gut. Habe selbst ein Wildbienen Hotel aus Eschenholz .Innerhalb von zwei Jahren wahren alle 107 röhren belegt.

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