Nektar - der Flugsprit der Insektenwelt

Nektar Solitäre Wildbiene Fotomontage
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Was ist Nektar?

Wildbiene an der Tankstelle [Haetosmia vechti  (Gideon Pisanty, Wikimedia]
Wildbiene an der Tankstelle [Haetosmia vechti (Gideon Pisanty, Wikimedia]

Nektar ist eine leicht verdauliche, energiereiche, wässrige Zuckerlösung und damit der optimale Treibstoff für den kräftezehrenden Flug der Insekten. Er ist schwer entflammbar, neigt nicht zu Explosionen und enthält keinerlei umweltschädliche Beimengungen. Er verbrennt in den Flugmuskelmotoren rückstandsfrei zu Kohlenstoffdioxid und Wasser, schmeckt deutlich besser als Diesel und als Krönung des Ganzen wird auch noch kostenlos geliefert. Ölscheichs verabscheuen dieses Zeug aus tiefster Seele und würden furchtbar gerne einen Lieferboykott durchsetzen.

Einmal voll bitte!

Nektar Honigbiene Fotmontage
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Woraus besteht Nektar?

  • Wasser
  • Hauptinhaltsstoff Zucker: Saccharose und ihre zwei Spaltungsprodukte Traubenzucker (Glukose) und Fruchtzucker (Fruktose). Je nach Pflanzenart liegen diese Zucker in unterschiedlicher Zusammensetzung vor.
  • In geringer Menge liegen Aminosäuren, Eiweiße, organische Säuren, Mineralsalze, Phosphate, Vitamine und Enzyme vor. Die Bedeutung dieser Inhaltsstoffe für die Blütenbesucher ist noch unklar.

Wo wird Nektar produziert?

Amegilla cingulata (Louise Docker Wikimedia 2007)
Amegilla cingulata (Louise Docker Wikimedia 2007)

Nektar wird in speziellen Organen der Blüte, den Nektarien produziert. Nektarproduktion muss aber nicht zwangsläufig an Blüten gebunden sein. Extraflorale, d.h. sich außerhalb der Blüte befindliche Nektarien finden sich beispielsweise an den Blattwedeln des Adlerfarns (Pteridium aqulinum) oder den Blattstielen unserer Kirschbäume (Prunus). Diese Nektarien werden zwar gerne von Ameisen, manchmal auch von der Honigbiene, aber in der Regel nicht von Wildbienen genutzt.

 

Je mehr sich Bestäuber und Blüte aneinander angepasst haben, desto verborgener wird der Nektar präsentiert, zum Beispiel am Grunde tiefer Kronröhren, die nur mit einem langen Rüssel erreicht werden können.

 

Rechts im Bild die nur im UV-Licht sichtbaren, dunklen  Nektarmale auf der Blüte. Quelle:  Plantsurfer Wikimedia 2008
Rechts im Bild die nur im UV-Licht sichtbaren, dunklen Nektarmale auf der Blüte. Quelle: Plantsurfer Wikimedia 2008

Als Wegweiser zum Powerdrink dienen Farbmarkierungen oder Duftmarkierungen auf den Blütenblättern, die so genannten Saft- oder Nektarmale. Bienen sehen den UV-Bereich des Lichtspektrum, sind aber rotblind, dadurch erscheinen ihnen Blütenfarben komplett anders als uns. Jedes Lebewesen erlebt seine Umwelt ausschließlich durch seine artspezifischen Filter, es gibt daher nicht eine Realität, sondern unendlich viele. Weiße Blüten, die für uns völlig homogen aussehen, besitzen in Wirklichkeit auffällige UV-Markierungen.

 

 

Nektar in Zahlen

  • Nektarmenge pro Blüte und Tag: Sie ist besonders hoch bei den Lippenblütlern (Lamiaceae) und bei Vertretern der Boretschgewächse (Boraginaceae) wie beispielsweise dem Boretsch (Borago officinalis) mit 2,6 mg pro Tag und dem Natternkopf (Echium).
  •  Gesamtzuckergehalt: Das Minimum liegt bei 8 % (Kaiserkrone, Fritillaria imperiales), das Maximum bei 76% (gewöhnlicher Dost, Origanum vulgare)
  •  Tagesrhythmik: Der Nektar wird nicht gleichmäßig produziert sondern erreicht zu manchen Tageszeiten ein Maximum, bei den Linden (Tilia) am Nachmittag. Die Wegwarte (Cichorium intybus) produziert nur zwischen 7.00 und 12.00 Uhr Nektar bei ihren Blütenbesuchern passen sich die Insekten an diesen Rhythmus an, es ist also keineswegs gleichgültig um welche Zeit eine bestimmte Pflanzenart beflogen wird.

Wozu wird der Nektar von den Bienen verwendet?

Wollschweber gehören zu den Fliegen und parasitieren bei  den Larven verschiedener Wildbienenarten. Auffällig ist der starre, lange Rüssel
Großer Wollschweber ( Bombylius major) Cursor über das Bild bewegen für erklärenden Text, zum Vergrößern klicken (Yann Wikimedia 2009)
  • Flugsprit
  •  Je nach Art mischen die Wildbienen dem Pollen unterschiedliche Mengen Nektar zu. Die Rote Mauerbiene (Osmia bicornis) steht auf trockenen Pollenvorrat, bei manchen Pelzbienen (Anthophora) schwimmt über dem Pollen eine dünne Schicht Nektar. Die frisch geschlüpfte Larve beginnt ihr Leben also erst einmal mit einem Nektarbad
  •  Bei den „Feuchtsammlern“ dient der Nektar als Kit, um die transportierten Pollenladungen zu stabilisieren.
  •  Manche Mauer-, Mörtel-und Scherenbienen vermengen den Lehm zum Bau ihrer Brutzellen und der Nestverschlüsse mit Nektar

 

Im Gegensatz zum Pollen gibt es beim Nektar keine Spezialisierung, getankt wird da, wo geliefert wird. Der aufgesaugte Nektar wird im Vorderdarm (Kropf, Honigblase) gespeichert und transportiert und nach der Rückkehr ins Nest wieder erbrochen.

Wie tief darf der Nektar in der Blütte maximal verborgen sein?

Bei manchen Wildbienen imponiert die enorme Rüssellänge

Anthidium manicatum Originalbild: (Jacopo Werther - Wikimedia 2012  )
Anthidium manicatum Originalbild: (Jacopo Werther - Wikimedia 2012 )

Generell lassen sich kurzrüsslige und langrüsslige Bienen unterscheiden:

Kurzrüsslige Wildbienen:

Andrenidae (kein deutscher Name)

Colletidae (Kein deutscher Name)

Halictidae (Schmal- und Furchenbienen)

 

Langrüsslige Wildbienen:

Megachilidae (kein deutscher Name)

Anthophoridae (kein deutscher Name)

Apidae (echte Bienen)


Beispiele für unterschiedliche Rüssellängen:

 

Maskenbienen (Hylaeus):                        1,1 mm

Furchenbienen (Halictus, Lasioglossum): 1,5 – 6 mm

Honigbiene (Apis mellifera):                    6,5 mm

Erdhummel (Bombus terrestris):             8-9 mm

Gartenhummel (Bombus hortorum):       14-16 mm

Pelzbiene (Anthophora acervorum)          19-21 mm

Was versteht man unter "Nektarraub"?

Jetzt hieß es eiskalt bleiben und keine Fehler machen! Die Biene Maja stand unmittelbar davor mit dem Nektarraub des Jahrhunderts Geschichte zu machen.

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Die Holzbiene (Xylocopa) beim Nektarraub. Quelle:  Ffmbub,  Wikimedia 2007 [zum Vergrößern bitte anklicken]
Die Holzbiene (Xylocopa) beim Nektarraub. Quelle: Ffmbub, Wikimedia 2007 [zum Vergrößern bitte anklicken]

Manche Wildbienen erwerben den Nektar nicht „legal“ als Gegenleistung für die Bestäubung der Blüte, sondern tricksen die Blüte aus. Kurzrüsslige Hummeln wie Bombus terrestris beißen häufig ein Loch in den Blütensporn und saugen hier den Nektar. Bei einem „normalen“ Besuch der entsprechenden Blüte wäre ihr Rüssel viel zu kurz, um an den Nektar zu gelangen. Diesen Vorgang bezeichnet man als primären Nektarraub.

 

Im Gegensatz zu den Hummeln hat die Honigbiene keine Chitinzähnchen an den Mandibeln und ist daher unfähig das zähe Pflanzengewebe zu zerbeißen. Sobald die Hummeln die Vorarbeit geleistet haben, saugt die Honigbiene aber ebenfalls begeistert an dieser illegalen Nektarquelle. Dieses Delikt ist nur noch ein „sekundärer“ Nektarraub, meistens kommt die Biene mit Bewährung davon.

 

Die massige Holzbiene (Xylocopa), eine unserer größten und schönsten einheimischen Wildbienen, hat ein anderes Verfahren entwickelt. Sie beißt die Kronröhren nicht auf, sondern harpuniert sie mit ihrem starren Rüssel.

 

Die Sandbiene Andrena lathyri schlitzt die Kelchröhren von Wicken (Vicia) und Platterbsen (Lathyrus) mit ihren Mandibeln seitlich auf, bis sie mit ihrem kurzen Rüssel den Nektar erreicht.

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