Schlupf aus dem Kokon

Rostrote Mauerbiene (Osmia bicornis) beim Schlupf aus dem Kokon
Rostrote Mauerbiene (Osmia bicornis) beim Schlupf aus dem Kokon

Wie kann man Mauerbienen beim Schlüpfen fotografieren?

Nisthilfe aus gestapelten Nutbrettchen
Nisthilfe aus gestapelten Nutbrettchen

Berechtigte Frage! Schließlich spielt sich die Entwicklung der Wildbienen inklusive Schlupf aus dem Kokon im Inneren der stockfinsteren Brutzellen ab.

 

Ich habe deshalb eine Nisthilfe aus übereinander gestapelten Brettchen verwendet, auf deren Ober- und Unterseite jeweils sechs Nuten gefräst sind. Beim Stapeln liegen die Nuten übereinander und bilden einen runden Gang, der damit automatisch immer Bestandteil zweier Brettchen ist. Entwickelt wurde dieses System in Amerika zur gewerblichen Vermehrung der Luzerne-Blattschneiderbiene (Megachile rotundata) die dort im großen Stil zur Bestäubung riesiger Luzernefelder eingesetzt wird. In den Jahren 1979 und 1980 "produzierte" eine einzige Saatgutfarm in der Provinz Alberta jährlich 60 Millionen Kokons. (vgl. Literaturverzeichnis: "Die Luzerne-Blattschneiderbiene").

 

Nisthilfe im zerlegten Zustand
Nisthilfe im zerlegten Zustand

Beim kommerziellen Einsatz von Mauerbienen als Bestäuber werden die Nisthilfen am Ende der Saison zerlegt. Die Kokons werden entfernt, gewaschen und dann bis zum nächsten Frühjahr gelagert. Parasiten wie die Taufliege Cacoxenus indagator oder Milben werden bei diesem Prozeß entfernt. Parasiten sind ein natürlicher Bestandteil des Ökosystems und stehen in einem relativ stabilen Gleichgewicht mit ihren Wirten. Ein Parasit der seinen Wirt ausrottet, würde sich die eigene Lebensgrundlage entziehen. Ich persönlich finde es deshalb aus ökologischer Sicht gerade das reizvolle an Nisthilfen für solitäre Wildbienen und Wespen, daß sich zusammen mit den Bienen auch ihre Gegenspieler einfinden und so problemlos beobachtet und fotografiert werden können.

 

Statt zur Bekämpfung der Parasiten kann diese Nisthilfe als Hilfsmittel für die Erstellung einer kleinen Mauerbienen-Statistik benutzt werden: Wieviele Zellen sind verpilzt, wieviele parasitiert? Wie hoch ist der Anteil an abgestorbenen Larven? Wieviele Brutzellen werden pro Gang angelegt? In welchen Zahlenverhältnis stehen Weibchen und Männchen?

Verpilzte Brutzellen und abgestorbene Larven der Rostroten Mauerbiene (Osmia bicornis)
Verpilzte Brutzellen und abgestorbene Larven der Rostroten Mauerbiene (Osmia bicornis)
Links der "Schokostreusel"-Kot einer Mauerbiene, der den darunter liegenden Kokon komplett bedeckt, rechts die Larven der Taufliege Cacoxenus indagator  mit den typischen spaghettiförmigen, rötlichen Kotschnüren
Links der "Schokostreusel"-Kot einer Mauerbiene, der den darunter liegenden Kokon komplett bedeckt, rechts die Larven der Taufliege Cacoxenus indagator mit den typischen spaghettiförmigen, rötlichen Kotschnüren

Wie läuft der Schlupfvorgang ab?

Der Kokon eines Weibchens (links) ist deutlich größer als der Kokon eines Männchens (rechts). Der Kopf liegt immer in Richtung des weißen Nippels
Der Kokon eines Weibchens (links) ist deutlich größer als der Kokon eines Männchens (rechts). Der Kopf liegt immer in Richtung des weißen Nippels

Sobald die Temperatur im Frühjahr einen gewissen Schwellenwert übersteigt, beginnen die Mauerbienen die zähe Kokonhülle mit ihren Mandibeln aufzubeißen. Ca. seit August des Vorjahres haben sich die fertig entwickelten Mauerbienen  im Inneren der Kokons befunden und auf den großen Moment gewartet. Das Durchbeißen der Kokonhülle verursacht ein hartes, knisterndes Geräusch, das überraschend weit hörbar ist. Die Mauerbiene beißt zunächst einige Minuten lang ein Loch in die Kokonhülle, beim ersten Schlüpfversuch verläßt sie den Kokon dann innerhalb weniger Sekunden. 

 

Erschwert wird das Fotgrafieren durch paarungswillige Männchen, die sich aus dem Flug auf die Kokons fallen lassen und sie so hoffnungslos aus dem Schärfentiefenbereich des Makrobojektivs kicken. Diese ungestüme Leidenschaft hat mir zahlreiche Fotos versaut :-) Die Situation ist aber aus Sicht eines Männchens absolut einzigartig, in freier Wildbahn liegen schließlich nicht einfach Kokons herum.

 

Alle Fotos können Sie in der Fotogalerie  bestellen!

 








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Kommentare: 4
  • #1

    KiGaZw (Donnerstag, 02 Mai 2013 10:16)

    Wunderschöne Fotos!

    Ich glaube ich muss da für die nächste Saison auch anfangen zu basteln...

  • #2

    wildBee.ch (Montag, 06 Mai 2013 22:12)

    Fantastisch eingefangen, dieses spannende Ereignis - vielen Dank für's teilen!

  • #3

    Flora (Donnerstag, 20 Juni 2013 12:31)

    das sind ja tolle Aufnahmen !

    Ich hatte auch ein kleines Bienenhotel auf meinen Balkon gehängt, wohl aber zu spät.
    Ich hoffe es wird im nächsten Jahr fleißig genutzt.

    Dankeschön für Zeigen !

  • #4

    Biene 2.0 (Mittwoch, 25 Mai 2016 15:03)

    Echt nette Bilder

    Half mir beim Bio-Vortrag Danke für die Bilder.

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